Rankingfaktor Lese- und Scrollverhalten: Wie weit lesen Ihre Besucher Ihre Artikel?

Die meisten Besucher Ihrer Webseite fangen gar nicht erst an Ihre Artikel zu lesen und sind sehr schnell wieder verschwunden. Zu den Lesegewohnheiten der Nutzer hat Farhad Manjoo bei slate.com einen Artikel zu einer Analyse veröffentlicht, wie die User auf einer Seite agieren. Dazu wurde die Software Chartbeat verwendet. Ebenso Analysedaten anderer Seiten, die Chartbeat untersuchte, sind in dieser Studie enthalten.

Wie Sie sicherlich bereits wissen, wird im Internet nicht gelesen, sondern die Inhalte werden überflogen. Das verbleibt auch so beim Rest eines Artikels. Wenn man Glück hat, sichten Nutzer den bis zum ersten Drittel, danach verschwinden sie aber genauso. Was bringt es also einen Artikel überhaupt zu schreiben oder sich die Mühe zu machen, diesen zu Ende zu schreiben, wenn nur einige wenige Nutzer sich die Zeit nehmen, diesen bis zum Schluss zu lesen?

Ihren Lesern wird sehr schnell langweilig und die Konzentration schwindet

In dieser Studie wird klar, dass die Nutzer sich schwer damit tun, konzentriert zu bleiben. Vielmehr klinken sich diese sehr schnell aus. Aber das ist nicht nur bei Slate.com der Fall, sondern ist es allgemein im Internet so. Wenn ein Besucher auf Ihrer Webseite landet und sich beispielsweise auf Ihren Blog verirrt, wird der Artikel aber nicht bis zum Schluss vollkommen gelesen.

Sehr oft schaffen es die Nutzer nicht einmal bis zur Hälfte des Artikels, wodurch diesem aber sehr viele wertvolle Informationen entgehen. Mehr noch hat die Untersuchung ergeben, dass sehr viele Nutzer vermehrt in Sharing-Laune sind, wenn sie einen Artikel nicht komplett gelesen haben. Wird ein Link zu einem Artikel also geteilt, heißt das nicht zwangsweise, dass der Empfehlungsgeber den Artikel auch gelesen hat.

Gewöhnlich ist ein Artikel im Web um die 2.000 Pixel lang. Wenn man Glück hat, scrollt der User bis zur Hälfte des Artikels – also etwa bis 1.000 Pixel. Das Ende des Artikels und damit der Kommentar-Bereich liegt etwas bei 1.700 Pixeln. Dennoch gibt es auch User, die nicht einmal ins Scrollen übergehen, sondern bevorzugt den Mauszeiger bewegen, wie die Studie zeigte.

Sehr oft werden das erste Bild betrachtet und vielleicht die ersten beiden Sätze gelesen. Oder die Nutzer verlassen eine Webseite, bevor sie überhaupt mit dem Lesen angefangen haben. Nur vereinzelte Leser schaffen es bis zum Ende eines Artikels oder nehmen den meisten Content über Bilder und Videos auf, dass Sie dadurch nicht selbst den Content erlesen müssen.

Tweets und Shares im Bezug auf das Lese- und Scrollverhalten

Die Analyse über Chartbeat geht aber noch weiter und befasst sich auch mit der Quote, inwiefern die Nutzer die Artikel gelesen haben, die diese in den sozialen Netzwerken teilen. Allerdings verläuft das Tracking nicht nach dem einzelnen Leser, sondern geht Chartbeat nach der Gesamtanzahl der Tweets vor, die für einen Artikel gewonnen wurden. Anschließend wurde ein Vergleich vorgenommen, wie viele Nutzer über einen Artikel gescrollt haben.

Daraus geht hervor, dass die Artikel nicht notwendigerweise sehr tiefgründig gelesen werden. Ebenso die Artikel, die im Gegensatz dazu, eingehender gelesen werden, erhalten nicht unbedingt eine Menge an Tweets. Das mag einige Blogger und Texter natürlich stutzig machen. Soll man sich überhaupt noch die Mühe machen, die Arbeit in die Recherche und die Energie in das Schreiben der Beiträge stecken?

Manche Schreiberlinge haben sehr viel zu sagen und wollen ein umfassendes Bild zu einem Thema abgeben. Denn schließlich möchte man den Nutzern einen Beitrag liefern, der nicht nur einige wenige Informationen zur Verfügung stellt, sondern den Nutzern eine Gesamtübersicht zu einem Thema liefert und der User auf diese Weise zu den Informationen gelangt, nach denen er gesucht hat. Das bedeutet: Er erhält einen Mehrwert.

Helfen Sie Ihren Besuchern beim Lesen Ihrer Inhalte, indem Sie diese auflockern

Wenn man sich diese Zahlen und Ergebnisse aus dieser Untersuchung ansieht, fragt man sich aber dennoch, ob man gewisse Absätze nicht doch lieber weglässt. Aber dann würden wertvolle Informationen für diejenigen Nutzer verloren gehen, die sich die Mühe machen, den Artikel dennoch bis zum Ende zu lesen.

Sehr viele Nutzer schaffen es in einem Beitrag, wenn überhaupt, nur knapp zum Bereich „below the fold“. Das hängt damit zusammen, das High Quality Content die Bereitschaft der Nutzer erhöht, weiter nach unten zu scrollen. Das bezieht sich aber nicht nur auf das geschriebene Wort an sich, sondern auch wie die Seiten gestaltet und designt sind – also rundum ein vollendetes Nutzererlebnis geschaffen wurde.

Ständig wartet der nächste Content, der erfasst werden will

Als Autor oder Texter liegt es einem am Herzen, dass die kompletten Artikel gelesen werden, als Leser und Nutzer des Internets hingegen, überfliegt man täglich eine Vielzahl an Artikeln, darunter werden eine Menge an Links auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Plattformen verteilt. Aber das betrifft nicht nur das Web an sich.

Inzwischen hat jeder von uns tagtäglich eine Menge Lektüre vor sich, die gelesen werden will. Durch iPads, Kindle und andere Ebook Reader, beschränkt sich das Lesen nicht mehr nur auf Bücher und den Desktop-PC. Manche Bücher, ob digital oder physisch werden mitunter nicht einmal mehr nach dem ersten Kapitel weitergelesen, weil so viel anderer Content darauf wartet, erfasst zu werden. Zudem ist es sehr einfach, sich von anderen Dingen ablenken zu lassen und das gerade begonnene Meisterwerk, einfach „liegen zu lassen“ und sich einem anderen Content zu widmen. Denn jeder von uns ist mit vielen anderen Dingen beschäftigt, als nur mit dem Lesen von Blogartikeln.

Das heißt also mehr denn je, dass man als Blogger und Texter eines Artikels zu Beginn gleich preisgeben sollte, welches Thema behandelt wird und die Grundlagen offenzulegen. Mit einem sogenannten Teaser stellen Sie auch sicher, dass Sie weiterhin die Aufmerksamkeit Ihrer Leser halten können. Unterstützen Sie dies, indem Sie mehrere Bilder oder auch Videos hinzufügen, um Ihre Inhalte vielseitig zu gestalten.

Das Lese- und Scrollverhalten der Nutzer sollte nicht ignoriert werden, da es auch darum geht, dass die Nutzer die Informationen erhalten, die sie sich vorgestellt haben, dementsprechend in den SERPs vorfinden, wonach sie gesucht haben. Es ist durchaus möglich, dass auch Google in Zukunft das Scrollen und tatsächliche Lesen von Inhalten als Engagement-Signal in seine -Faktoren mit aufnehmen wird, um qualitativen Content näher zu bestimmen und die Aktivität der Nutzer zu erfassen.

Related posts